News – 23. Dezember 2025
Nächstes Jahr feiert der Effinger sein 10 jähriges Jubiläum. Bildung und Lernen waren fast von Beginn weg ein Thema. Aus dem Bildungsprojekt TauscHaus - EduSpace entwickelte sich anfangs 2020er Jahre das Angebot Colearning. Wenn es zu Beginn - umgangssprachlich - etwa hiess, “die Lehrer” würden im 1. Stock “eine neue Schule entwickeln”, ging es viel eher darum, an Veränderungen interessierten Menschen aus dem Bildungswesen ausserhalb der institutionellen Bildungssilos einen Ort zu bieten, wo mit Gleichgesinnten über neue Entwicklungen nachgedacht und entsprechende Aktivitäten eingefädelt werden konnten. Nicht von ungefähr beschrieben wir unser Angebot als MutMacherei, DrehScheibe, TankStelle und KokreAktionslabor. Kurz vor Covid gründeten wir dann - aus aktuellem Anlass - Colearning Bern im Effinger. Ein Coworker und Effianer suchte für seinen Sohn einen Ort, wo er - ausserhalb schulischer Strukturen - lesen, schreiben und sich austauschen und einbringen konnte. Gesagt - getan. Der Rest ist Geschichte.
Mit meinem (Fredis) Text tauchen wir ins Jetzt ein. Ein paar Jahre und ein paar Learnings später.
Aber lest selbst. Viel Vergnügen.
Wer an einem gewöhnlichen Tag durch den Effinger spaziert, wird auf den ersten Blick keinen Unterschied erkennen: Menschen sitzen an Tischen, arbeiten an Laptops, diskutieren, trinken Kaffee. Coworker:innen eben – so scheint es. Und doch ist hier längst mehr im Gange. Denn zwischen all den Menschen, die im Effinger arbeiten, entwickeln, organisieren und vernetzen, befinden sich auch Lernende. Jugendliche wie Erwachsene. Sie arbeiten nicht in separaten Räumen, sondern mittendrin. Sie bringen eigene Fragen mit, eigene Themen, eigene Energie. Sie lernen – eigenständig, gemeinsam, begleitet, forschend. Und sie tun das nicht am Rand, sondern als Teil der Community.
Wenn wir die Arbeits- und die Lernwelt wirklich verbinden wollen, braucht es genau solche Orte. Orte, die durchlässig sind. In denen Lernen und Arbeiten nicht mehr als Gegensätze erscheinen, sondern als zwei Ausdrucksformen eines aktiven, selbstbestimmten Lebens.
Mit Colearning Bern ist im Effinger ein solcher Ort entstanden – und er entwickelt sich weiter.
Von Anfang an ging es uns nicht in erster Linie darum, Bildungskonzepte zu entwerfen oder das rückständige Schulsystem zu reformieren. Es ging – und geht – um etwas Anderes: Ein anderes Verständnis von Lernen zu leben. Nicht nur darüber zu reden. Nicht darauf zu warten, dass jemand erlaubt, genehmigt oder vorgibt, wie es gehen könnte. Sondern anzufangen. Räume zu schaffen. Menschen einzuladen. Strukturen zu lockern. Beziehungen zu ermöglichen.
Wir haben es einfach getan. Und: Wir tun es immer noch. Wir lernen noch.
Colearner Christoph Schmitt hat dazu eine wunderbare Dokumentation erstellt. Im Gespräch mit jugendlichen und erwachsenen Colearner:innen lotet er aus, was Colearning ausmacht, was Colearning will, welche Erfahrungen gemacht werden und wie sich diese Art von Lernen vom traditionellen Lernen (in Schulen) unterscheidet. Er schreibt dazu:
“Was gibt’s denn noch, wenn Schule immer weniger funktioniert – ausser Plan B? Richtig: C wie Colearning. Wir zeigen euch, was in der Schweiz möglich ist an Innovation, und zwar dort, wo sie händeringend gesucht wird: an den Schnittstellen von Lernen, Leben und Arbeiten.”
Schau rein! Colearning: Lernen, wie es dir und mir entspricht
Colearning lebt davon, Menschen aller Generationen in ihrem Lernen zu verbinden. So suchen wir immer wieder Erwachsene, die bereits Teil der Effinger Arbeits- und Lernwelt sind - oder es gerne werden möchten - und die sich gerne auch fürs Lernen engagieren würden. Sei das nun als Lernende:r mit einem Projekt, oder als Mentor:in oder Expert:in für Projekte von anderen Colearner:innen.
Colearning Bern war nie als fertiges Konzept gedacht. Es war – und ist – ein lebendiges Experiment. Entstanden aus dem Wunsch, einen Raum für freies, selbstbestimmtes Lernen zu schaffen. Für junge Menschen, die sich nach Alternativen zur Schule sehnen. Für Erwachsene, die sich persönliche Entwicklung, Tiefe und echten Austausch im eigenen Lernen wünschen. Was uns von Anfang an wichtig war: nicht stehen bleiben beim Denken, sondern ins Handeln kommen. Wir wollen nicht nur Bildung neu denken – wir wollen Lernen als gelebte Praxis sichtbar machen. Nicht nur auf Podien oder in Projektskizzen, sondern mitten im Alltag.
Daraus sind in kurzer Zeit eine Vielzahl von Lernfeldern und Angeboten entstanden, die exemplarisch zeigen, wie Lernen heute auch aussehen kann – praxisnah, sinnhaft, gemeinschaftlich:
Diese Formate sind keine fertigen Produkte. Sie wachsen mit den Menschen, die sie gestalten. Sie erlauben Wandel, Fehler, Umwege – genau das, was Lernen lebendig macht.
Wir verstehen Lernen nicht als etwas, das man „konsumiert“ oder „abschliesst“. Lernen ist für uns ein Grundmodus des Menschseins. Es beginnt dort, wo jemand eine echte Frage hat. Wo Neugier aufkommt. Wo jemand spürt: Da möchte ich weitergehen. Das will ich (besser) verstehen, neu gestalten, daran wachsen.
Lernen braucht aus unserer Sicht nicht in erster Linie Methoden – sondern Haltung. Eine Haltung, die dem Menschen vertraut, die zulässt, dass das Lernen individuell, unterschiedlich, manchmal chaotisch, aber immer bedeutungsvoll ist. Wir glauben, dass das Lernen in Gemeinschaft tiefer wirkt. Nicht, weil man dann belehrt wird – sondern weil man Resonanz erfährt. Weil man sich gespiegelt sieht, neue Perspektiven bekommt, Teil von etwas wird.
Und genau dafür schaffen wir Raum.
Dass Colearning im Effinger zuhause ist, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines offenen Raums – und einer offenen Community. Und eine Einladung an Menschen, Veränderung anzugehen. Der Effinger ist mehr als ein Ort zum Arbeiten. Der Coworking Space ist ein Möglichkeitsraum, in dem Menschen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten zusammenkommen, Verantwortung übernehmen, neue Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens erproben.
Ohne diesen Ort, ohne diese Kultur, gäbe es Colearning Bern und die daraus erwachsenen Angebote nicht. Die Offenheit des Hauses, das Vertrauen ins Ausprobieren, die Neugier gegenüber Neuem – all das hat uns getragen, herausgefordert und ermutigt, eigene Wege im Lernen zu gehen. Heute wachsen Coworking und Colearning im Effinger ganz selbstverständlich zusammen. Arbeit und Lernen begegnen sich auf Augenhöhe. Menschen arbeiten an beruflichen Projekten – und entdecken daneben Lernfragen, Entwicklungswünsche, geteilte Neugier. Lernen wird hier nicht organisiert – es wird gelebt. Nicht zusätzlich, sondern mittendrin.
Der Effinger zeigt: Wenn Raum, Haltung und Gemeinschaft zusammenspielen, dann wird Lernen wieder Teil des Alltags. Und das ist vielleicht das Wertvollste, was ein solcher Ort bieten kann.
Inzwischen ist aus der lokalen Initiative Colearning Bern ein wachsendes Netzwerk entstanden. Um der Entwicklung einen sanften Rahmen zu geben, haben wir colearning.org ins Leben gerufen – nicht als starres Dach, sondern als verbindende Klammer.
Colearning.org verbindet Projekte, Orte und Menschen, die Lernen neu denken und neu leben wollen – offen, menschenzentriert und selbstverantwortlich. Wir lernen miteinander. Und voneinander. Beilaeufig.
Ein besonders spannendes Projekt entsteht derzeit mit der Wohnbaugenossenschaft Urbane Dörfer im Webergut in Zollikofen, die das Lernen bewusst in den Alltag einer neuen, gemeinschaftlich organisierten Siedlung integrieren möchte – nicht als Zusatz, sondern als integraler Pfad persönlicher und kollektiver Entwicklung. Dazu entstehen Projekte in der Ostschweiz. Eine Art Colearning-Akademie soll in ein Kulturlabor integriert werden. Oder ein Colearner lädt Menschen aus der Organisation Schule auf einen gemeinsamen Lernweg ein. Mit der angebotenen KI Colearning Journey sollen Menschen die Veränderungen durch KI im Bildungsbereich erkunden können. Colearning ist auch zu finden im Angebot dusse dihei, das auf wunderbare Weise gemeinsames Lernen, Naturerfahrung und innere Entwicklung miteinander verbindet. Auch das in Cokreation entstehende Projekt Creative Campus im grenznahen Lörrach (Deutschland) klingt spannend. Hier soll im Rahmen von Coworking und Colearning in einer alten Feuerwache ein Ort für Austausch, Ideen und Inspiration entstehen.
Auch Colearning Bern, der Ursprung der ganzen Entwicklung, ist kein exklusiver Kreis. Kein fertiges System. Kein Ort, an dem man nur zuschauen darf. Es ist ein Raum, der entsteht, weil Menschen ihn mit Leben füllen – mit ihren Fragen, ihrem Mut und ihrer Bereitschaft, Neues zu versuchen. Menschen, die schon länger dabei sind, junge und ältere, Menschen, die sich in einer tollen Atmosphäre mit ihrem Lernen beschäftigen wollen.
Darum: Wenn du Lust hast, selbst wieder ins Lernen zu kommen, mit eigenen Themen, in deinem Rhythmus, im Dialog mit anderen – dann bist du bei uns genau richtig.
Du kannst ein eigenes Projekt verfolgen.
Du kannst deine Erfahrungen teilen.
Du kannst andere begleiten – Jugendliche oder Erwachsene.
Du kannst einfach mal reinschnuppern.
Zum Beispiel bei unseren Schatzhebungstreffen.
Denn Lernen endet nicht mit der Schule. Es beginnt dort, wo du es wieder zu deinem eigenen machst.
Komm vorbei. Schau rein. Mach mit.
info@colearning.org